An der Fachhochschule St.Gallen [FHSG] werden Studierende regelmässig zu unterschiedlichsten Events, die als berufliche Plattformen dienen sollen, eingeladen. Beispiele dafür sind die lange Nacht der Karriere, Kontaktgespräche, Karrierekompass, Young Leader Award etc. Die Veranstaltungen bieten den Studierenden Möglichkeiten, ihre Fühler auszustrecken, ihren eigenen beruflichen Horizont zu erweitern und Kontakte zu knüpfen. Anders ausgedrückt: Es geht um die Vernetzung zwischen Studierenden und potenziellen Arbeitgebern. Auf der anderen Seite wird den Studierenden auch nahegelegt, sich über soziale Netzwerke den potenziellen Arbeitgebern zu präsentieren, seien es LinkedIn, Xing etc. Die sozialen Netzwerke gewinnen seit ein paar Jahren fortlaufend an Stellenwert (epunkt, 2016). Für einen Studierenden gestaltet es sich als schwierig, sich zu entscheiden, auf welchen Wegen man mit Unternehmen in Kontakt treten möchte.
An dieser Stelle möchte ich folgende Frage aufgreifen: „Was ist für ein Unternehmen überzeugender: das physische Kennenlernen oder doch eher die Selbstvermarktung über soziale Medien?“
Wenn sich das Studium an der FHSG für die Studierenden dem Ende neigt, werden diese aufmerksamer gegenüber solchen Vernetzungsveranstaltungen. Es liegt in ihrem Interesse, sofern noch keine Anstellung besteht oder vorgesehen ist, sich an diesen Veranstaltungen zu zeigen und Werbung für sich selbst zu machen. Veranstaltungen lassen Personen miteinander anders in Kontakt treten als auf dem Weg der sozialen Medien. Gespräche beginnen häufig ganz anders, sei es durch Smalltalk über lokale Politik, persönliche Geschichten oder einfach Alltägliches. Gespräche können also auch auf einer ganz anderen Basis entstehen, es muss nicht immer direkt mit dem Beruf in Verbindung stehen.
Soziale Medien lassen wiederum keinen Spielraum offen, es kann bei der ersten Interaktion gar nicht zu einem persönlichen Gespräch kommen, an dem Smalltalk betrieben werden kann. Der Zweck, Selbstmarketing auf den sozialen Medien zu betreiben, liegt einzig darin, sich Unternehmen zu präsentieren, die neue Mitarbeiter suchen. Kurz und knackig soll der Suchvorgang vonstattengehen.
Ich glaube, der gesunde Mix aus beidem ist für Unternehmen am interessantesten. Für ein Unternehmen reicht nicht allein, potenzielle Mitarbeiter nur über Plattformen wie LinkedIn und Xing zu suchen. Das konventionelle Kennenlernen (face-to-face) bietet viel mehr positive Facetten, die einem bei der Durchsicht eines Profils meist verwehrt bleiben. Häufig sind das die Sympathie und das Verhalten einer Person. Ich erkenne viel eher, ob eine Person teamfähig ist, wenn ich mit ihr spreche und sie in ihrem Verhalten analysieren kann. Dieses Instrument sollte beibehalten werden.
Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag Arbeitgeber dazu animieren, sich nicht nur auf die sozialen Medien als Instrument der Personalsuche zu versteifen, sondern auch zu versuchen, alt bewährte Methoden wieder vermehrt einfliessen zulassen.
Quelle:
epunkt. (21.11.2016). Das sind die Recruiting Trends 2017.