Im Trendbook 2018 wird erklärt, dass Bildung eine Veränderung durchlaufen hat. Neuerdings gibt es immer mehr Möglichkeiten, sich durchs Internet Aus –und Weiterzubilden. Beispiele dafür sind Plattformen wie Open University , edX und die inlearning Funktion von Linkedin. Durch solche neuen Technologien, beschreibt der Artikel, ist Lernen und Bildung nicht mehr an einen spezifischen Kontext gebunden, wird räumlich und zeitlich flexibel und somit für jeden zugänglich. Diese Unbegrenztheit der Bildung sei ein Ausgleich der fehlenden Infrastruktur und Bildung würde dadurch demokratisiert werden. Wissen sei der Schlüssel zu Erfolg, also sind durch Bildung die Arbeit und die Aufstiegschancen schon garantiert.
Es steht außer Frage, dass Modernisierungsprozesse neue soziale Probleme hervorrufen. Jedoch ist die Annahme falsch, dass diese mit mehr und besserer Ausbildung gelöst werden können. Denn diese Art von Bildung wird bloß im Sinne von Employability verstanden. Employability bedeutet, dass wir uns nicht an Bildung binden sollen. Wir sollen flexibel sein und uns schnell umorientieren können, um unser persönliches Portfolio zu optimieren. Bildung wird dabei oft nur als Ausbildung begriffen, denn die Absolventen und Absolventinnen dienen der Wirtschaft. Dieses Bildungsverständnis hat eine gesellschaftliche Verwertbarkeit zu Zwecken der Wirtschaft.
Bildung wird als neoliberale Wettbewerbsformel begriffen, welche der Ökonomie dient. Der Neoliberalismus versteht Bildung als lebenslanges Lernen, als ständige Anpassung der Person an geforderte Werte und Normen.
Wenn es also eine Aussicht gibt soziale Probleme durch mehr Bildung zu lösen, müsste es eine echte, herrschaftsfreie Bildung sein. Diese Bildung muss kritisch sein und gesellschaftliche Widersprüche hinterfragen.
Dieser Diskurs des lebenslangen Lernens ist somit hauptsächlich an benachteiligte Bevölkerungsschichten gerichtet. Namentlich Personen mit geringen formalen Bildungsabschlüsse, Migrationshintergrund, Alter, Behinderung, Geschlecht etc. Personen welche gerne als „bildungsfern“ und „bildungsbenachteilgt“ beschrieben werden.
Die Sozialhilfestatistik zeigt auf, dass es wahr ist, dass ein Grossteil der Sozialhilfe-Bezüger/innen in der Schweiz keine Berufsausbildung haben und es vielleicht sinnvoll wäre bei der Sozialhilfe mehr auf Bildung zu setzen als auf konditionierende Arbeitsprogramme. Mit Bildung alleine kann jedoch die soziale Ungleichheit nicht aufgelöst werden. Es wird aber immer mehr davon ausgegangen, dass gesellschaftliche Probleme wie Arbeitslosigkeit, demographischer Wandel, Migration, usw. mit mehr und besserer Ausbildung verbessert werden könnten. Diese Problematiken nur auf den Mangel an Bildung zu beschränken ist eine Lüge, denn dies dient bloß der Kaschierung des wahren Problems. Gesellschaftliche Probleme werden dadurch entpolitisiert und einzelnen Personen wird die volle Verantwortung für ihre Missstände zugeschrieben. Es wird gesagt: „du hättest dich ja besser ausbilden können, dann würde es dir jetzt besser gehen“.
Quellenverzeichnis
Wyss, Kurt. (2007). Workfare. Sozialstaatliche Repression im Dienst des globalisierten Kapitalismus (2. Aufl.). Zürich: Edition 8