Soziale Netzwerke werden von knapp der Hälfte der Rekrutierenden als Informationsquelle über potenzielle Jobkandidierende verwendet. Das ist eine der Entwicklungen, die den Bewerbungsprozess bzw. das Vorgehen der Personalverantwortlichen erheblich verändert hat.
Profile auf Linkedin oder Xing geben Auskunft über die bisherigen Tätigkeiten potenzieller Kandidierenden und mittels Nachrichtenfunktion kann die direkte Interaktion zwischen Jobsuchenden und potenziellen Arbeitgebern stattfinden. In Bezug auf die Onlinepräsenz von Jobsuchenden ist es wichtig das Linkedin- oder Xing-Profil aktuell, professionell, vollständig, wahrheitsgetreu und informativ zu gestalten. (G. Custodia, Persönliche Kommunikation, 1. Oktober 2020)
Selbstmarketing und Identitätsmanagement ist aber nicht nur im beruflichen Kontext relevant, sondern auch im privaten Umfeld sehr verbreitet. Was kommt Euch zum Begriff «Selbstmarketing» in den Sinn? Worauf achtet ihr bei der eigenen Onlinepräsenz (falls ihr online präsent seid)?
Meiner Meinung nach sind Social Media Plattformen sehr nützlich und je nach dem auch durchaus informativ. Ich nütze ausgewählte Plattformen für Zwecke wie mich zu informieren, Inspiration zu holen, Unterhaltung, Neuentdeckungen sowie mit Menschen sei es Familie oder Freunde in Kontakt zu sein, aber auch mit denen, die ich auf Reisen oder während Sprachaufenthalten kennengelernt habe. Aus diesem Aspekt ist Social Media sehr vielversprechend. Die verschiedenen Plattformen bringen Menschen aus aller Welt zusammen, und kennen somit keine Grenzen, zumindest keine Landesgrenzen. Als weitere Vorteile erachte ich die globale Vernetzung, das vielfältige Angebot beispielsweise in Bezug auf Werbung, Marketplace etc. aber auch die verschiedensten weitreichenden Inhalte. Die Nutzenden haben die Möglichkeit selbst zu entscheiden, was sie mit wem teilen möchten und basierend auf den Interessen und Bedürfnissen auswählen, welchem Account sie folgen möchten bzw. sich verbinden möchten.
Was mich persönlich stört ist, dass ich mich manchmal ertappe, indem ich mich von gewissen Beiträgen blenden lasse oder mich in der Zeit verliere. Ebenfalls fällt mir auf, dass der persönliche Austausch oder die Authentizität durch Social Media etwas verloren geht/ging, was ich bedaure. Sich im «echten Leben» face-to-face zu profilieren ist schwieriger, als auf Social Media einen Beitrag zu posten, weil man beispielsweise mit der direkten mündlichen Reaktion nicht konfrontiert wird. Auch eine schlagfertige Antwort ist hinfällig. Nichtsdestotrotz kann auch ein Beitrag auf Social Media in einem Shitstorm münden. Aus meiner Sicht besteht weiter das Risiko, dass durch Social Media die Persönlichkeit etwas in den Hintergrund gerät. Ein Beispiel dafür sind Influencer. Sie teilen ihr scheinbar «perfektes» Leben mit ihrer Community und inspirieren damit insbesondere viele junge Menschen, wodurch gewissenermassen ein Druck entstehen kann. Geschehen tut dies, indem Influencern nachgeeifert wird, das Gesehene in eigenen Beiträgen umzusetzen versucht wird, um damit die gewünschte Anerkennung zu erhalten. Daraus kann eine Identitätsdiffusion resultieren. Das heisst eine Orientierungslosigkeit kommt zum Tragen und die eigene Identität wird «vernachlässigt».
Zum Schluss eine spannende Aussage, die wissenschaftlich bewiesen wurde und euch liebe Leserinnen und Leser zum Nachdenken anregen soll: «Ein Blick auf unser Facebook-Profil ist ein echter Ego-Booster.» Viele würden diese Aussage dementieren, jedoch ruft ein Blick in unser Profil auf Social Media Plattformen und somit in unser Selbstbild Emotionen hervor, die uns das Gefühl von Sicherheit vermitteln.