{"id":213,"date":"2017-11-12T12:10:09","date_gmt":"2017-11-12T12:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/iksm.fhslabs.ch\/?p=213"},"modified":"2017-11-12T12:14:47","modified_gmt":"2017-11-12T12:14:47","slug":"reproduktion-von-sozialen-ungleichheiten-im-netz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iksm.fhslabs.ch\/?p=213","title":{"rendered":"Reproduktion von sozialen Ungleichheiten im Netz?! Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reproduktion von sozialen Ungleichheiten im Netz \u2013 theoretischer Teil <\/strong><\/p>\n<p>Folgende Aussage aus dem deutschen <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/familienreport-2017\">Familienreport 2017<\/a> beschreibt, wie sich die gesellschaftlichen Ungleichheiten auch in der digitalen Welt spiegeln. \u00ab\u00a0Wichtiger aber als der reine Zugang zu digitaler Technik ist, wie Menschen damit umgehen \u2013 und umgehen k\u00f6nnen. Menschen mit unterschiedlichen sozialen Herk\u00fcnften, Bildungserfahrungen, Ressourcen oder unterschiedlichen Geschlechts nutzen das Internet und digitale Medien verschieden. Gesellschaftliche Ungleichheiten und Benachteiligungen k\u00f6nnen sich durch Digitalisierung auch aufbauschen und potenzieren\u201c (<em>BMFSFJ <\/em>2017, S. 89). Wer wenig Zugang zu Bildung hat \u2013 unabh\u00e4ngig davon ob in der Herkunftsfamilie und den Bildungsinstitutionen \u2013 hat auch weniger Zugang zu Informationen im Netz. Es scheint, als ob sich die Aussage des franz\u00f6sischen Soziologen Pierre Bourdieus, die er \u00fcber die sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem gemacht hat, auch im Umgang mit den Sozialen Medien spiegeln. Annelie Stompe beschreibt in ihrem Artikel \u00ab<a href=\"https:\/\/www.google.ch\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0ahUKEwiOktKd-7jXAhUN5BoKHWw2ALsQFggpMAA&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.gender.hu-berlin.de%2Fde%2Fpublikationen%2Fgender-bulletins%2Fbulletin-texte%2Ftexte-29-30%2Ftexte2930pkt13.pdf&amp;usg=AOvVaw2VviLfwmLFZ42n7kuaYwkI\">Armut und Bildung: PISA im Spiegel sozialer Ungleichheit<\/a>\u00bb eine Untersuchung von Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron: Sie beschreiben die komplexen Mechanismen des gesellschaftlichen Ausschlusses, die ihre Umsetzung in den Bildungsinstitutionen finden. Die im Rahmen ihrer Analyse entwickelten Thesen sollen erkl\u00e4ren, wie soziale Tatbest\u00e4nde \u2013 also soziale Ungleichheit \u2013 in der Praxis der Bildungsinstitutionen in nat\u00fcrliche \u2013 individuelle Kompetenz und Intelligenz der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u2013 umgedeutet werden. Die Leistungen der Heranwachsenden werden demnach von diesen und ihren Lehrern entweder der \u201eunmittelbaren Vergangenheit\u201c zugeschrieben \u2013 beispielsweise den Effekten des Unterrichts \u2013 oder aber der Begabung oder der Pers\u00f6nlichkeit\u201c (Bourdieu\/ Passeron zit. in <em>Stompe <\/em>2005, S. 135).<\/p>\n<p>Horst Niesyto fr\u00e4gt in seinem Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.medienpaed.com\/article\/view\/115\/115\">Digitale Medien, soziale Benachteiligung und soziale Distinktion<\/a>\u201c in Anlehnung an die Theorien von Bourdieu nach, in wie weit \u201eFormen von Benachteiligungen auch im Bereich der Mediennutzung zu beobachten [sind]?\u201c (<em>Niesyto <\/em>2009, S. 5). Der Autor unterscheidet die digitalen Ungleichheiten einmal in Form von Zugang und in Form von Nutzungsm\u00f6glichkeiten, wobei er sich auf verschiedene in Deutschland durchgef\u00fchrte Studien bezieht. Niesyto vertritt die Ansicht, das \u201eMedienkompetenz \u2013 Konzepte\u201c verst\u00e4rkt ber\u00fccksichtigen sollten, wie Menschen in ihren jeweiligen Lebenslagen Medien nutzen und welche Medienkompetenzen sie dabei ausbilden. \u201eEntgegen der o.g. Vereinseitigungen geht es um ein Verst\u00e4ndnis, das die wechselseitige Verwobenheit von individuellen Handlungsmustern und gesellschaftlich-medialen Angebotsstrukturen im Blick hat und \u2013 in handlungstheoretischer Perspektive \u2013 die Verarbeitungsleistungen der Subjekte (pers\u00f6nliche, \u2039innere\u203a Ressourcen) in Zusammenhang mit den jeweils vorhandenen sozialen Lebenslagen und Anregungsmilieus (als \u2039\u00e4ussere\u203a Ressourcen) betrachtet\u201c (<em>Niesyto <\/em>2009, S. 13).<\/p>\n<p>Der Autor argumentiert, dass unterschiedliche Mediennutzung und -sozialisation in erster Linie auf unterschiedliche Pr\u00e4ferenzen und sozial-\u00e4sthetische Muster verweisen und nicht in erster Linie auf Aspekte sozialer Benachteiligung. Aspekte sozialer Ungleichheit, so Niesyto, kommen dann zum Tragen, wenn es um vorhandene innere und \u00e4ussere Ressourcen zur Bew\u00e4ltigung von Problemen in der Kommunikationskultur geht. Solche Problemlagen werden mit Schwierigkeiten der Orientierung zwischen der Arbeits- und Medienwelt, in der oberfl\u00e4chlichen Wahrnehmung von Inhalten oder bei Schwierigkeiten, sich zwischen vielen Optionen zu entscheiden, definiert. Ob sich die Jugendlichen reflexiv mit diesen Themen auseinandersetzen (k\u00f6nnen), sieht er in der famili\u00e4ren und schulischen Sozialisation begr\u00fcndet. \u201eEs gibt aber sehr viele Kinder und Jugendliche, die weder im Rahmen der famili\u00e4ren noch der schulischen Sozialisation hinreichend Anregung und F\u00f6rderung f\u00fcr einen reflektierten Medienumgang erhalten\u201c (<em>Niesyto <\/em>2009, S. 14). Um auf Bourdieu zur\u00fcckzukommen, sind es also die Denkschemata und ausgebildeten Pr\u00e4ferenzen, die die Wahl der jeweiligen sozialen Medien bei Jugendlichen mitbestimmt und der Umgang mit Medien wird \u2013 wie der Umgang mit Geld, Bildung, Kultur etc. \u2013 milieuspezifisch erlernt. Niesyto fordert, dass medienp\u00e4dagogische Konzepte und F\u00f6rderangebote in der schulischen Bildung ausgebaut werden sollen, um die Medienkompetenzen von Jugendlichen zu vertiefen. Sie m\u00fcssen allerdings an den allt\u00e4glichen Medienerfahrungen von Jugendlichen ansetzen, damit diese erreicht und motiviert werden k\u00f6nnen. \u201eDie F\u00f6rderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Sozialmilieus setzt qualifizierte P\u00e4dagogen\/-innen voraus, die \u00fcber eigene Medienkompetenzen, \u00fcber ein Wissen zum Sozialisationshintergrund von Kindern und Jugendlichen sowie \u00fcber geeignete gruppenp\u00e4dagogische und methodisch-didaktische Qualifikationen verf\u00fcgen\u201c (<em>Niesyto <\/em>2009, S. 15).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reproduktion von sozialen Ungleichheiten im Netz \u2013 theoretischer Teil Folgende Aussage aus dem deutschen Familienreport 2017 beschreibt, wie sich die gesellschaftlichen Ungleichheiten auch in der digitalen Welt spiegeln. \u00ab\u00a0Wichtiger aber als der reine Zugang zu digitaler Technik ist, wie Menschen damit umgehen \u2013 und umgehen k\u00f6nnen. 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