{"id":1218,"date":"2018-12-08T09:41:52","date_gmt":"2018-12-08T09:41:52","guid":{"rendered":"https:\/\/iksm.fhslabs.ch\/?p=1218"},"modified":"2018-12-09T10:24:51","modified_gmt":"2018-12-09T10:24:51","slug":"1218","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iksm.fhslabs.ch\/?p=1218","title":{"rendered":"Demokratisierung oder Stigmatisierung"},"content":{"rendered":"<p>Im Trendbook 2018 wird erkl\u00e4rt, dass Bildung eine Ver\u00e4nderung durchlaufen hat. Neuerdings gibt es immer mehr M\u00f6glichkeiten, sich durchs Internet Aus \u2013und Weiterzubilden. Beispiele daf\u00fcr sind Plattformen wie\u00a0<u><a href=\"http:\/\/www.openuniversity.edu\/\">Open University<\/a><\/u>\u00a0, <u><a href=\"https:\/\/www.edx.org\/\">edX<\/a><\/u> und die <u><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/learning\/login\">inlearning<\/a><\/u>\u00a0Funktion von Linkedin.\u00a0Durch solche neuen Technologien, beschreibt der Artikel, ist Lernen und Bildung nicht mehr an einen spezifischen Kontext gebunden, wird r\u00e4umlich und zeitlich flexibel und somit f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich. Diese Unbegrenztheit der Bildung sei ein Ausgleich der fehlenden Infrastruktur und Bildung w\u00fcrde dadurch demokratisiert werden.\u00a0Wissen sei der Schl\u00fcssel zu Erfolg, also sind durch Bildung die Arbeit und die Aufstiegschancen schon garantiert.<\/p>\n<p>Es steht au\u00dfer Frage, dass Modernisierungsprozesse neue soziale Probleme hervorrufen. Jedoch ist die Annahme falsch, dass diese mit mehr und besserer Ausbildung gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Denn diese Art von Bildung wird blo\u00df im Sinne von <u><a href=\"http:\/\/kritische-eb.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/The-dark-side-07-2015.pdf\">Employability<\/a><\/u> verstanden. Employability bedeutet, dass wir uns nicht an Bildung binden sollen. Wir sollen flexibel sein und uns schnell umorientieren k\u00f6nnen, um unser pers\u00f6nliches Portfolio zu optimieren. Bildung wird dabei oft nur als Ausbildung begriffen, denn die Absolventen und Absolventinnen dienen der Wirtschaft. Dieses Bildungsverst\u00e4ndnis hat eine gesellschaftliche <u><a href=\"http:\/\/momentum-kongress.org\/cms\/uploads\/PAPER_Froebus-Katarina_Verhandlungen-von-Bildung-und-Kritik-%E2%80%93-der-notwendig.-kritische-Gehalt-der-Bildung.pdf\">Verwertbarkeit<\/a><\/u> zu Zwecken der Wirtschaft.<\/p>\n<p>Bildung wird als neoliberale Wettbewerbsformel begriffen, welche der \u00d6konomie dient. Der Neoliberalismus versteht Bildung als <u><a href=\"http:\/\/kritische-eb.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/The-dark-side-07-2015.pdf\">lebenslanges Lernen<\/a><\/u>, als st\u00e4ndige Anpassung der Person an geforderte Werte und Normen.<\/p>\n<p>Wenn es also eine Aussicht gibt soziale Probleme durch mehr Bildung zu l\u00f6sen, m\u00fcsste es eine echte, herrschaftsfreie Bildung sein. Diese Bildung muss kritisch sein und gesellschaftliche Widerspr\u00fcche hinterfragen.<\/p>\n<p>Dieser Diskurs des lebenslangen Lernens ist somit haupts\u00e4chlich an benachteiligte Bev\u00f6lkerungsschichten gerichtet. Namentlich Personen mit geringen formalen Bildungsabschl\u00fcsse, Migrationshintergrund, Alter, Behinderung, Geschlecht etc. Personen welche gerne als \u201ebildungsfern\u201c und \u201ebildungsbenachteilgt\u201c beschrieben werden.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/soziale-sicherheit\/sozialhilfe.assetdetail.6567940.html\"><u>Sozialhilfestatistik<\/u><\/a> zeigt auf, dass es wahr ist, dass ein Grossteil der Sozialhilfe-Bez\u00fcger\/innen in der Schweiz keine Berufsausbildung haben und es vielleicht sinnvoll w\u00e4re bei der Sozialhilfe mehr auf Bildung zu setzen als auf konditionierende Arbeitsprogramme. Mit Bildung alleine kann jedoch die soziale Ungleichheit nicht aufgel\u00f6st werden.\u00a0Es wird aber immer mehr davon ausgegangen, dass gesellschaftliche Probleme wie Arbeitslosigkeit, demographischer Wandel, Migration, usw. mit mehr und besserer Ausbildung verbessert werden k\u00f6nnten. Diese Problematiken nur auf den Mangel an Bildung zu beschr\u00e4nken ist eine L\u00fcge, denn dies dient blo\u00df der Kaschierung des wahren Problems. Gesellschaftliche Probleme werden dadurch entpolitisiert und einzelnen Personen wird die volle Verantwortung f\u00fcr ihre Missst\u00e4nde zugeschrieben. Es wird gesagt: \u201edu h\u00e4ttest dich ja besser ausbilden k\u00f6nnen, dann w\u00fcrde es dir jetzt besser gehen\u201c.<\/p>\n<p>Quellenverzeichnis<\/p>\n<p>Wyss, Kurt. (2007). Workfare.\u00a0Sozialstaatliche Repression im Dienst des globalisierten Kapitalismus (2. Aufl.). Z\u00fcrich: Edition 8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Trendbook 2018 wird erkl\u00e4rt, dass Bildung eine Ver\u00e4nderung durchlaufen hat. Neuerdings gibt es immer mehr M\u00f6glichkeiten, sich durchs Internet Aus \u2013und Weiterzubilden. 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